Bericht Midissage der Ausstellung „An jedem dritten Tage“

Bericht Midissage

Bericht: Midissage der Ausstellung „An jedem dritten Tage“ von Sina Niemeyer am 22.06.2022

Femizide sind ein gesamtgesellschaftliches Problem, auf das man auch in Thüringen immer wieder aufmerksam machen muss. Seit unserem Kongress „WIR SIND UNSCHLAGBAR“ zum Thema häusliche Gewalt hängt in unserem Fraktionsflur im Thüringer Landtag die Ausstellung „An jedem dritten Tage“ von der Künstlerin Sina Niemeyer. Um ihr und dem wichtigen Thema erneut Aufmerksamkeit zu widmen, veranstalteten wir am 22. Juni 2022 eine Midissage. Zu diesem Anlass luden unsere Fraktionsvorsitzende Astrid Rothe-Beinlich und unsere frauenpolitische Sprecherin Laura Wahl neben der Künstlerin, Thüringens Gleichstellungsbeauftragte Gabi Ohler sowie Christina Clemm, eine Fachanwältin für Familien- und Strafrecht und Autorin, ein.

Laura begrüßte zu Beginn alle Anwesenden und stellte noch einmal klar: „Wir machen uns als Fraktion stark dafür, Maßnahmen zur Bekämpfung häuslicher Gewalt weiter zu verstärken und das Problem ‚Femizid‘ immer wieder auf die Tagesordnung zu holen. Uns treibt die Motivation an, für Gerechtigkeit zu sorgen.“ Unsere Fraktionsvorsitzende Astrid betonte in ihrem Grußwort zunächst die Bedeutsamkeit von Kunst als Instrument, um individuelle Bildung, Verständnis für soziale Problemlagen und eine offenere demokratische Gesellschaft zu schaffen. Deutlich machte sie zudem: „Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt gegen Frauen ist uns zudem wichtig. Insbesondere da in den Medien Femizide häufig als Familientragödien beschrieben werden und so die misogynen Motive verheimlicht werden.“ Gabi Ohler griff diesen Punkt in ihrem Impulsvortrag ebenfalls auf und belegte dies mit Zahlen und Daten aus ihrer Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte. Sie stellte klar: „Häusliche Gewalt und geschlechtsspezifische Gewalt sind nicht außergewöhnlich oder ein Einzelfall, sondern alltägliche Realität.“ Femizide beschrieb sie zudem als Spitze der Pyramide der Frauenfeindlichkeit, der etwa jeden zweiten bis dritten Tag in Deutschland eine Frau zum Opfer fällt.

Im Anschluss übergab Laura das Wort an die Künstlerin Sina Niemeyer, um ihre ausgestellte Arbeit vorzustellen. Die preisgekrönte visuelle Fotokünstlerin berichtete, dass sie mit „An jedem dritten Tage“ Femizide sichtbar machen will. Die aktuelle Ausstellung ist hierbei das erste Kapitel einer mehrteiligen Arbeit und erzählt die Geschichte der 15-Jährigen Noelle, die auf ihrem Heimweg Opfer eines Femizids wurde. Die Bilder sind in enger Zusammenarbeit mit Noelles Mutter und Schwester entstanden, erzählte Sina Niemeyer: „Die Mutter erlebte die Arbeit als Sprachrohr für etwas, für das sie selbst momentan nicht die Kraft oder Worte hat.“

Nach dieser persönlichen Geschichte folgte die Lesung von Christina Clemm, die in ihrem Buch „AktenEinsicht - Geschichten von Frauen und Gewalt“ von einzelnen Fällen berichtet, die ihr in ihrer Arbeit im Familien- und Strafrecht begegnet sind. Zunächst erzählte sie von der häufig frustrierenden Arbeit und vielen Fällen, in welchen die strukturellen und systematischen Schwächen der Justiz teilweise verheerende Folgen hatten. Eine solche Geschichte las die Anwältin daraufhin aus ihrem Buch vor. Sie handelte von einer Frau, die durch viele schwierige Beziehungen gehen musste, für ihre Kinder ihr Leben änderte und schlussendlich von einem Ex-Partner gestalkt, bedroht und ermordet wurde. Zusätzliche Schwere erhielt die bedrückende Geschichte dadurch, dass keine der mehrfach gestellten Anzeigen und Verwarnungen durch die Polizei ausgereicht hatten, um sie vor dem bekannten Täter zu schützen.

Als Fazit betonte Christina Clemm: „Politisch sind wir in den letzten Jahren nicht weitergekommen. Wir müssen unbedingt etwas gesamtgesellschaftlich machen und dafür braucht es Kunst und Veranstaltungen wie diese, um Aufmerksamkeit auf das Thema Femizide zu lenken.“

Wir bedanken uns herzlich bei der Künstlerin Sina Niemeyer, bei Gabi Ohler für ihren Fachinput sowie bei Christina Clemm für die spannenden Einblicke in die Praxis und die Lesung aus ihrem Buch. Die Fotografien von Sina Niemeyer werden noch bis zum 31. Juli bei uns im Fraktionsflur ausgestellt sein. Wir freuen uns auf euren Besuch! Zusätzliche Informationen gibt es unter https://www.gruene-thl.de/termin/jedem-dritten-tage-femizide-deutschland

 

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