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Mit der Verabschiedung des Kinder- und Jugend-Stärkungsgesetzes wurde die Zuständigkeit für die Frühförderung von der Eingliederungshilfe in die Jugendhilfe verlagert. So hat der Gesetzgeber beschlossen, dass nach einer längeren Übergangszeit bei Kindern vor der Einschulung die Zuständigkeit für die Hilfen von Kindern und Eltern im Rahmen der Frühförderung bei der Jugendhilfe zusammengeführt werden. Angesichts der traditionell wenig abgestimmten Strukturen beider Systeme sind hier umfangreiche Vorbereitungen notwendig - auch um eine frühzeitige Planungssicherheit zu gewährleisten.

Bis zum Jahr 2004 hat außerdem der Freistaat Thüringen die Standards der Frühförderung finanziell unterstützt, danach wurden die Mittel ausgesetzt und seitdem nicht wieder in den Haushalt aufgenommen. Zahlreiche andere Bundesländer unterstützen seit Jahrzehnten die Frühförderung aus freiwilligen Mitteln, um der ständig wachsenden Bedeutung frühkindlicher Entwicklungshilfen Rechnung zu tragen, zum Beispiel durch interdisziplinäre Früherkennungsteams in den Frühförderstellen (Niedersachsen), Honorarmittel für Ärztinnen und Ärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten bei Fallbesprechungen in den Frühförderstellen (Hessen), fachliche externe Beratung und Begleitung der Frühförderung durch Arbeitsstellen in freier Trägerschaft (Brandenburg, Berlin, Bayern, Hessen), fallunspezifische heilpädagogische Fachberatung für Kindertagesstätten (Hessen, Bayern), zusätzliche finanzielle Unterstützung für pädagogische Fachkräfte
(Baden-Württemberg) und medizinische Fachkräfte (Rheinland-Pfalz) in den Frühförderstellen zur Anhebung der fachlichen Standards.

In Thüringen gibt es keine solche Unterstützung. Dabei hat der Freistaat bundesweit nicht nur die kürzesten Zeitbudgets beim Zugang und der laufenden Förderung, im Gegensatz zu der Mehrzahl der anderen Bundesländer sind auch die pädagogischen Fachpersonen überwiegend keine Fachkräfte mit einem abgeschlossenen Studium. Diese Benachteiligung der frühkindlichen Hilfen beispielsweise gegenüber dem späteren Schulsystem entspricht nicht mehr den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Herausforderungen und muss daher dringend hinterfragt werden.

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