Schule

Faktencheck: Das Recht auf Bildung kennt keine Pause - Bildung in Zeiten der Corona-Pandemie

Worum geht’s?

Bereits das dritte Schulhalbjahr ist auch in Thüringen geprägt von der Corona-Pandemie. Seitdem ist die Schulzeit für unsere Schüler*innen zum Ausnahmezustand geworden – immer im Wechsel und in der Ungewissheit zwischen Schulöffnungen und –schließungen. Die Schüler*innen und ihre Familien mussten den Großteil ihrer Schulzeit über Wochen und Monate im häuslichen Lernen bestreiten. Unzureichende Technik, mangelndes Internet, fehlende Bezugspersonen, nicht ausreichend Support durch die Eltern und Lehrkräfte und wenig Erfahrungen mit dem digitalen Lernen zeigten nicht wenigen die Grenzen des häuslichen Lernens auf. Besonders schwierig war und ist das häusliche Lernen für die Jüngeren, die oft noch nicht richtig lesen und schreiben können aber auch für ohnehin schon benachteiligte Schüler*innen, die auch vor der Pandemie schon besondere Förderbedarfe oder Lernschwierigkeiten hatten.

Nachdem im Januar 2021 die Abschlussklassen und Schüler*innen mit Förderbedarf wieder in die Schulen durften, wurde im Februar entschieden, die Schulen zunächst für die Primarstufe und später auch für die Sekundarstufe wieder im Präsenzunterricht zu öffnen. Schulen müssen daher zu sicheren Orten werden, denn der Zugang zu Bildung in Pandemiezeiten erfordert entsprechende Schutzkonzepte für unsere Schüler*innen. Lehrer*innen und alle dort Beschäftigten gleichermaßen. Natürlich gilt es, so gut es geht, Abstand zu halten und Masken zu tragen. Weiterhin setzen wir auf die Entzerrung auf dem Schulweg durch zusätzliche Schulbusse und gestaffelte Schulanfangszeiten. Wir fordern eine Teststrategie mit regelmäßigen und wöchentlich mindestens zweimaligen Tests der Pädagog*innen und Schüler*innen auch unter Einbeziehung von Schnelltests. Für den Einbau von Luftfilteranlagen in Schulen haben wir zudem fünf Millionen Euro im Landeshaushalt für die Kommunen bereitgestellt. Mit der Impfung des gesamten in Kindergärten und Schule beschäftigten Personals, dem Wechselunterricht und Unterricht in festen Gruppen kann das Infektionsrisiko weiter verringert werden, ebenso wie durch die Verwendung von möglichst sicheren Masken und die Befreiung von der schulischen Präsenzpflicht für Risikogruppen und all jede, die mit Risikopatient*innen zusammenleben.

Als Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern wir seit langem ein umfassendes Maßnahmenkonzept für den Zeitraum, wenn die Schulen wieder öffnen und ganz besonders für das kommende Schuljahr. So müssen jetzt die individuellen Lernrückstände der Schüler*innen dringend identifiziert und im Anschluss individuelle Förderpläne erstellt werden. Wir brauchen ab sofort Angebote zum Nachholen von Lerninhalten am Nachmittag. Zudem gilt es, auch freiwillige Lernangebote in den Ferien zu schaffen. Wir wollen zudem zusätzliche Unterstützung durch Lehramtsstudierende und die Einbeziehung von außerschulischen Lernorten und weitere außerschulische Akteur*innen gewinnen. Langfristig setzen auf gezielte Schulentwicklung, um herkunftsbedingte und damit durch die Pandemie verstärkte Bildungsbenachteiligungen auszugleichen.

Sollen die Schulen, egal mit welchem Infektionsgeschehen vor Ort, offen sein?

Für uns gilt: Unsere Schulen brauchen mehr Sicherheit, damit bei einer Öffnung sowohl Schüler*innen als auch Lehrer*innen und Erzieher*innen bestmöglich geschützt sind. Die Entscheidung des Gesundheitsministeriums, alle in Kindergärten und Schulen Beschäftigen ab sofort bevorzugt zu impfen, war sehr wichtig. Unsere Fraktion hatte dies bereits seit Wochen angemahnt und begrüßt deshalb diese Entscheidung sehr. 

Nun gilt es, mit verlässlichen und regelmäßigen Testungen und der Anschaffung von Luftfilteranlagen in den Kommunen ergänzend wirklich sicheren Unterricht für alle zu ermöglichen. Dazu soll zudem der Dialog mit allen Beteiligten entschlossen und ergebnisoffen weitergeführt werden. Schließlich kann es nur gemeinsam gelingen, aus der Pandemie keine dauerhafte Bildungsmisere mit vielen Verlierer*innen hervorgehen zu lassen.

Was sind grüne Forderungen für den eingeforderten Maßnahmeplan im Bildungsbereich?

  • Aufbau von schulischen Nachhilfeangeboten in der Schule am Nachmittag
  • Entwicklung von Lernangeboten in den Ferien
  • Schulentwicklungsprogramm zum Ausgleich herkunftsbedingter Nachteile
  • Evaluierung der Stundentafeln
  • Aufbau eines transparenten Sozialindexes für die Ressourcenzuweisung im Schulbereich

Aufbau von schulischen Nachhilfeangeboten in der Schule am Nachmittag

Zum Aufholen von schulischen Lerninhalten sollen an den Schulen freiwillige Nachhilfeangebote am Nachmittag angeboten werden. Die Schüler*innen, die in bestimmten Fächern größere Lernrückstände aufweisen. und ihre Eltern, sollen dazu eine entsprechende Empfehlung zur Teilnahme erhalten. Als zusätzliche Ressourcen kommt die Nutzung des Schulbudgets, der Einsatz von Erzieher*innen im Ganztag sowie von ehemaligen Lehrkräften und Lehramtsstudierenden sowie Referendaren als auch Lehrer*innen, die diese Mehrarbeit ggf. vergütet bekommen sollen in Frage. Auch der Einbezug von örtlichen Nachhilfeinstituten sollte erwogen werden.

Entwicklung von Lernangeboten in den Ferien

Für die Ferien sollen zukünftig generell freiwillige zusätzliche Lernangebote entwickelt werden, sogenannte Lernferien. Diese sollen möglichst durch angehende oder bereits im Dienst befindliche Lehrkräfte sowie weitere Honorarkräfte umgesetzt werden. Mit den Lehrerverbänden und Gewerkschaften sollte dazu sehr zeitnah in Gespräche eingetreten werden, um die Arbeitszeitmodelle der Lehrkräfte entsprechend darauf auszurichten.

Schulentwicklungsprogramm zum Ausgleich herkunftsbedingter Nachteile

Aus unserer Sicht sollte es in Thüringen ein systematisches Schulentwicklungsprogramm für alle Schularten (bestehend aus Fortbildungsangeboten, Vernetzungen, Aufbau von Laborschulen, externer und interner Evaluierung) geben, das Schulen dabei unterstützt, insbesondere herkunftsbedingte und damit durch die Pandemie verstärkte Bildungsbenachteiligungen abzubauen. Dazu sollte zwingend die bildungswissenschaftliche Expertise einbezogen werden, um Maßnahmen zu entwickeln, die tatsächlich wirken. Hierzu sind auch die Erfahrungen aus dem bisherigen ESF-Programm zu nutzen.

Evaluierung der Stundentafeln

Die Evaluierung der Stundentafeln steht weiterhin aus. Sie ist aber notwendig, um auf die aktuellen Herausforderungen im Rahmen der gegebenen Personalsituation reagieren zu können. Wenn festgestellt wird, dass bspw. in den Kernfächern besondere Lernrückstände bestehen, dann sollte es hierbei ggf. auch vorrübergehend eine Anpassung geben, die diese Fächer verstärkt in den Fokus nimmt.

Aufbau eines transparenten Sozialindexes für die Ressourcenzuweisung im Schulbereich

Für Schulen, die von besonders vielen Schüler*innen besucht werden, die Lernrückstände aufweisen, braucht es zusätzliche personelle Ressourcen. Zudem sollte es generell eine verstärkte sozialindexbasierte Ressourcenzuweisung für Schulen geben, die mit besonders vielen benachteiligten Schüler*innen arbeiten, so wie es in anderen Bundesländern (bspw. Hamburg) bereits erfolgreich praktiziert wird.

Warum setzt die grüne Landtagsfraktion auf Präsenzunterricht? Was ist mit dem digitalen Lernen?

Die Schulcloud und digitale Angebote funktionieren leider nur begrenzt. Das häusliche und überwiegend digitalgestützte Lernen verstärkt zudem ohnehin vorhandene Benachteiligungen. Leider funktioniert Homeschooling vielfach aufgrund von technischen Mängeln, fehlenden Kapazitäten der Schulcloud, fehlender Fortbildung oder auch mangelnder Unterstützung im Elternhaus nicht wirklich.

Hinzu kommt die schlechte Anbindung der Schulen ans Breitbandnetz sowie die Verfügbarkeit von WLAN in Klassenzimmern. Nur mit einem vernünftigen Internetanschluss ist digitaler Unterricht tatsächlich möglich. Es ist auch nicht sichergestellt, dass alle Kinder im häuslichen Lernen über digitale Endgeräte und funktionierende Lernplattformen verfügen. Gerade Familien, die sich dies nicht selbstverständlich leisten können, brauchen hier unbürokratisch und schnell Unterstützung. Dafür sind jetzt Umwidmungen aus dem Digitalpakt nötig.

Wie steht die grüne Landtagsfraktion zur besonderen Leistungsfeststellung in Zeiten von Corona?

Wir meinen: Die Besondere Leistungsfeststellung BLF ist in diesem Jahr nichts anderes als eine Zusatzbelastung und ein weiteres Infektionsrisiko. Sie sollte daher aus unserer Sicht zumindest ausgesetzt werden. Schließlich erhalten in fast allen anderen Bundesländern die Gymnasialschüler*innen mit dem Übertritt in Klasse 11 den mittleren Schulabschluss. Dies war jedoch nicht durchsetzbar

Anbei zum Download das Positionspapier von Annalena Baerbock und Margit Stumpp: "Bildungsschutzschirm für Kinder und Jugendliche".

Weitere Informationen zu den aktuell geltenden Verordnungen finden sich beim Ministerium für Bildung, Jugend und Sport.

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