Politischer Aschermittwoch

Alle reden von Bildung in Zeiten von Corona – aber wir Grünen waren ja schon immer an den wirklich wichtigen Dingen des Lebens interessiert – darum lasst mich über Frisuren reden. Obwohl: Auch hier geht der Trend ja Dank Friseurschließungen zum wachsen lassen – ist ja auch eher GRÜN. Oder blond. Jedenfalls nicht Rot. Obwohl: Rot ist ja auch die Farbe der guten alten Tante SPD. Und ich sage Euch, wenn Onkel Tiefensee von der SPD richtig was zu sagen hätte, dann wären die Friseure längst alle wieder offen. Aber nicht nur die Friseursalons. KÖRPERNAHE DIENSTLEISTUNGEN haben es ihm nämlich angetan.

Keine Kabinettsschalte ohne eine Belehrung von Wolfgang Tiefensee, wie essentiell ein gepflegtes Äußeres gerade für Menschen in wichtigen Positionen, aber auch für die Alten sei und die Frauen im Kabinett (genau!) könnten ihn doch jetzt bitte auch mal unterstützen… Da kriege ich glatt Kopf- und Nackenschmerzen bei so viel Anspannung und da helfen bekanntlich Massagen. Massagen sind wichtig für die Menschen – nein, nicht nur medizinisch – da sind sie ja sowieso erlaubt. Auch Massagen will Wolfgang Tiefensee schnellstmöglich wieder zulassen, nicht aber Yoga oder ähnliches, so viel Abgrenzung muss sein!

Nun ist Wolfgang Tiefensee ja Glatzenträger und ich habe ganz bestimmt nichts gegen Menschen mit Glatze, mein Mann hat ja auch eine, aber wir waren ja gerade beim Thema Abgrenzung.

Glatzenträger jedoch mit Cowboystiefeln ist auch: der Kurzzeitministerpräsident Thomas Kemmerich. Das ist der Mann, der im Wahlkampf auf Plakaten von sich reden machte mit: „Endlich eine Glatze, die in Geschichte aufgepasst hat“. Nun ist es sogar bei Plakaten so, dass man sie nicht nur lesen, sondern auch verstehen muss (womit wir wieder bei Bildung wären).

Aber bleiben wir erstmal bei Kemmerich, dem Möchtegernliberalen, der sich mal eben mit den Stimmen der rechtsextremen AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ – und „übermannt“ von der Situation die Wahl auch gleich annahm. Immerhin hat es Kemmerich mit seinen wenigen Tagen Amtszeit geschafft, dass ganz Deutschland Thüringen kennt.

Schließlich wurde erstmals seit dem 2. Weltkrieg ein Ministerpräsident mit faschistischer Unterstützung vom selbsternannten Oppositionsführer Bernd Höcke und Gefolge in ein solches Amt gewählt.

Getreu dem FDP-Motto: Mehr Speed für Thüringen haben FDP und CDU damit samt Fullspeed die parlamentarische Demokratie an die Wand gefahren. Kemmerich sieht sich übrigens bis heute als Opfer, er hat offenbar nicht nur in Geschichte nicht aufgepasst.

Aber wer hat ihm damals eigentlich als einer der ersten zur Wahl gratuliert? Christian Hirte, damals noch als Ostbeauftragter der Bundesregierung, drei Tage später wurde er – Danke! Angela Merkel – abberufen. Was die Thüringer CDU allerdings nicht davon abhielt, ihn direkt zum Parteivorsitzenden zu machen.

Womit wir bei der CDU wären. Die tut ja gerade so, als ob sie alles besser wüsste, könnte oder gar erfunden hat. Und gerade in Punkto Corona oder in Sachen Impfstrategie: Die CDU weiß es besser. Dabei vergisst sie nur zu gern, dass sie gerade sowohl die Kanzlerin als auch den Bundesgesundheitsminister stellt.

Hach ja. Aber da wir ja angewiesen sind auf immer wieder mindestens vier Stimmen von der CDU beißen wir die Zähne zusammen, ertragen deren Eigenlob und kämpfen um den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Apropos Nenner: Zu nennen ist spätestens jetzt endlich auch unser Ministerpräsident. Zum Glück wurde er noch vor dem ersten Lockdown und nach dem Abdanken von Kemmerich auch von uns wiedergewählt. 65 Jahre ist Bodo gestern geworden. Und wie wir wissen, ist er auch kein bisschen leise. Springt von Clubhouse zu Clubhouse, erzählt da, was er gern spielt und ist ja überhaupt immer ganz authentisch – manchmal auch pathetisch, aber manchmal muss man sich schon ganz schön schnell drehen können, um bei all den Wendungen hinterherzukommen. Gerade in Sachen Corona.

Wo wir bei unserem gefühlten Dauerthema sind. Corona. Da hangeln wir uns nun seit fast einem Jahr von MPK-Beschluss zu MPK-Beschluss und von Verordnung zu Verordnung. Jedes Mal gibt’s neue Heilsversprechen in Form von Daten, ab wann ganz bestimmt alles anders wird – und dann kommt`s auch wieder ganz anders.

Fakt ist, wir werden mit dem Virus leben müssen. Und wir brauchen Akzeptanz für notwendige Maßnahmen. Und die verspielen wir, wenn wir mit willkürlichen 15 km Radien oder Ausgangssperren daherkommen.

Es braucht endlich Perspektiven, Transparenz und Verlässlichkeit. Und gerade den Familien steht Corona wirklich bis zum Hals. Die Kinder, die bekanntlich sowieso besonders belastet sind, müssen jetzt auch noch ständig die Präsenz ihrer gestressten Eltern im Homeoffice ertragen. Hausaufgaben beinhalten plötzlich auch Aufräumen, Müll rausbringen, Staub saugen und wenn man Glück hat Einkaufen – da kommen die Kids wenigstens mal raus. Das lässt auch die Masken ertragen.

Und dann noch die Digitalisierung. Plötzlich müssen sich alle mit dem Neuland beschäftigen. Von wegen auf Wolke sieben schweben, die Schulcloud lässt viele Tag für Tag aufs Neue abstürzen. Fakt ist: Wir werden noch ganz viel tun müssen, um die entstandenen Lücken zu füllen und eben kein Kind alleine zu lassen.

Auch deshalb kommt ein Stufenplan tatsächlich gerade recht. Schließlich braucht`s ja Optimismus am Ende einer solchen Rede. Wenn dann nach dem Testen Testen Testen auch das Impfen bei allen ankommt und Frühling und Sommer nach draußen locken, bricht GRÜN bekanntlich durch. Dann reden auch nicht mehr alle nur von Corona oder über Frisuren, sondern dann machen wir die grüne Welle und ziehen gestärkt in den Bundes- und in den Landtag ein und dann geht’s erst richtig los!

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