Einen Urwald zum Anfassen schaffen - Interview mit der Stiftung Rainforest-Save

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Heute, am 22. April, findet der Earth Day (oder auch Tag der Erde) statt. In über 150 Ländern wird dieser internationale Aktionstag dafür genutzt, um Menschen mit verschiedenen Aktionen dazu anzuregen, ihr Konsumverhalten hinsichtlich ökologischer Aspekte und Nachhaltigkeit zu überdenken. 

Anlässlich des heutigen Earth Day möchten wir die Stiftung Rainforest-Save aus Gotha vorstellen. Im Oktober 2021 war unsere umweltpolitische Sprecherin Laura Wahl zu Besuch in ihrer neu bezogenen Stiftungszentrale in Gotha. Hier berichteten wir über den Besuch. Die Stiftung, die es seit 2020 gibt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Regenwald zu schützen und dafür 320 Hektar Regenwald in Costa Rica unter Naturschutz gestellt. Vor Ort will sie verschiedene Projekte, u.a. den Aufbau eines Bildungszentrums, eines Bildungspfades sowie ein Projekt zu Essbaren Landschaften, umsetzen. 

Im Interview haben wir mit Stiftungsgründer Matthias Schellenberg und dem Marketingleiter der Stiftung Klaus Eisenhuth über ihre Ziele, aktuellen Projekte in Costa Rica und der Herausforderung in Bezug auf die Klimakrise gesprochen. 

 

Wie entstand die Idee, die Stiftung Rainforest-Save zu gründen?

Matthias: Die Idee zur Gründung einer eigenen Stiftung entstand nach einer dreimonatigen Studienreise von Madlen Schellenberg, eine der vier Stiftungsmitglieder. Die Biologiestudentin berichtete von der einzigartigen Artenvielfalt des tropischen Regenwaldes in Panama und Costa Rica und dessen Bedrohung durch den Menschen. Es war eine sinnstiftende Erzählung.

Klaus: Über Klima-, Wald- und Artenschutz zu sprechen hat uns nicht mehr gereicht. Also haben wir den Entschluss gefasst, etwas Besonderes und Bleibendes zu machen. Mit einem weiteren, diesmal gemeinsamen Besuch und dem Kauf eines 332 Hektar großen Regenwald-Areals wurde der Plan prompt in die Tat umgesetzt.

 

Was wollt ihr in Costa Rica erreichen? Wie geht ihr dafür vor?

Klaus: Am Anfang standen Recherchen an. Wo kann man Urwald erwerben? Wir mussten den Urwald suchen und auswählen, eine Rechtsanwaltskanzlei für die Abwicklung des Kaufes finden, einen Forst-Ingenieur einstellen und Arbeitsverträge abschließen.

Matthias: Unser Ziel ist es, bis 2030 in unserem 320 Hektar großen Urwald in Costa Rica eine grüne Bildungs-Offensive zu aktivem Erleben aufzubauen. Wir möchten, dass die Menschen in grünen Visionen denken und ihr Handeln daraufhin verändern. Denn Klimaschutz als gesellschaftliche Herausforderung in bewegten Zeiten, beginnt bei uns allen. Hier und jetzt!

Klaus: Wir wollen Werte für die Ewigkeit schaffen!

Regenwald-CR

Ihr arbeitet als deutsche Stiftung in Costa Rica. Inwiefern bindet Ihr Akteur*innen vor Ort und die lokale Bevölkerung ein?

Matthias: Einer der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass es ohne die Einbeziehung von Einheimischen in Costa Rica nicht geht. Außer der engen Zusammenarbeit mit den Behörden über unsere Kanzlei ist das Einbinden unseres Forstingenieurs mit seinen Waldarbeitenden für den Schutz unseres Urwaldes unabdingbar.

Klaus: Wir pflegen enge freundschaftliche Gespräche zu unserem Bürgermeister vor Ort. Der Bau unserer Bildungszentrale liegt komplett in der Verantwortung eines hiesigen Bauunternehmers. Zurzeit sind wir in der Gründungskonzeption einer eigenen NGO. Sie wird unser Werte, Visionen und Aufgaben vor Ort an jedem Tag vertreten.

 

Ihr seid eine vor allem spendenbasierte Stiftung. Was passiert mit den Spendengeldern genau?

Matthias: An diesem Punkt unseres Tagesgeschäfts müssen wir noch lernen, das richtige Spendenkonzept zu erproben. Wir haben den Grundstein in Costa Rica mit viel Manpower und eigenen finanziellen Mitteln gelegt. Unsere Intention und unser Arbeitspensum sind noch lange nicht abgeschlossen.

Klaus: In 2021 haben wir über einen Podcast und Flyer-Distributionsaktionen noch keinen nennenswerten Durchbruch erzielen können. Somit ist das Jahr 2022 das Learning-Jahr, welches Spenden-Konzept wir in Zukunft anwenden werden.

Pflanze - CR

Wie sieht der Rückhalt der Stiftung in Gotha aus? Wird die Stiftung von anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen unterstützt oder gibt es vielleicht sogar Gegenwind?

Klaus: Wie ihr wisst, sind wir eine noch sehr junge gemeinnützige Stiftung. In der Kommunikation in unserer Region stecken wir noch in den Kinderschuhen. Wir werden im Sommer 2022 den „Tag des Waldes“ organisieren, wo alle Bürger*innen und Organisationen uns besuchen können. In der Thüringer Allgemeinen und im Top-Magazin stellten wir unsere Stiftung vor.

 

Wie kann mehr Wissen über die Klimakatastrophe, ihre Ursachen und ihre Folgen in der Gesellschaft dazu beitragen, dass insgesamt mehr Klimaschutz geleistet wird? Und wie kann dieses Wissen noch besser verbreitet werden?
 

Matthias: Vermittlung von Wissen über die Klimakrise ist eine Grundvoraussetzung für Änderungen des Handelns aller Menschen auf der Welt. Nicht umsonst bauen wir auf der Halbinsel Nicoya das Bildungszentrum, verbunden mit einem 10 Kilometer langen Bildungspfad. Mit einfachen Worten über Bildung eine Bewusstseinssteigerung zum Klimawandel in Costa Rica und in Deutschland über Öffentlichkeitsarbeit zu erreichen. Den Urwald zum Anfassen schaffen. Unsere Spender*innen können in Costa Rica ihr Stück Urwald selbst anschauen und anfassen.

Klaus: Ein weiterer Meilenstein ist die konzeptionelle Idee von „essbaren Landschaften“. Damit wollen wir der einheimischen Landbevölkerung Impulse geben, sich zu einem großen Teil mit Obst und Gemüse selbst versorgen zu können.

 

Welche Projekte gibt es momentan vor Ort in Costa Rica? Was hat sich verändert seit Lauras Besuch in der Stiftung im Oktober 2020?

Matthias: Wir können mit Stolz berichten, dass unser Bildungszentrum in Costa Rica im Rohbau fertig ist. Das ist echt ein großer Meilenstein in der jungen Geschichte unserer Stiftung. Wir waren erst im Februar wieder vor Ort. Kaum in der Heimat angekommen gilt es, die angeschobenen Projekte in Costa Rica, wie die Fertigstellung der Bildungszentrale, die notwendige Brunnen-Erneuerung und die Herbst-Pflanzaktion weiter voranzutreiben.

Klaus: Uns ist es uns außerdem gelungen, mit der Hochschule für Medien in Stuttgart, unter der Leitung von Prof. Dr. Thaler, Projektarbeiten mit den Studierenden zu starten. Da alle Projekte über Spenden finanziert werden müssen, erstellen die Studierenden für uns unter anderen eine professionelle Spenden-Kampagne zu unserem Thema „Brunnen-Erneuerung“. Erfolgreiche Projektarbeit erfordert von beiden Seiten viel Manpower. Wir lernen, wie eine Kampagne aufgebaut wird und die Studierenden lernen, wie eine gemeinnützige Stiftung in Costa Rica arbeitet. Ich bin fest davon überzeugt, dass das die beste Spenden - Kampagne wird. Des Weiteren wollen wir die Vorbereitung für eine große Baumpflanzaktion von 700 Bäume im Herbst 2022 treffen.

 

Was sind eure weiteren Pläne?  Wie geht es jetzt weiter?

Klaus: Wir werden, wie bereits erwähnt, voraussichtlich im September 2022 die vorbereitete Baumpflanzaktion durchführen. In Deutschland gilt es, die Crowdfunding - Kampagne über die sozialen Medien zu erstellen und umzusetzen. Diese Projekte werden alle unsere Ressourcen in Anspruch nehmen.

Zum Schluss möchte ich den Leser*innen folgenden Spruch übermitteln: „Stellt euch vor, unsere Bäume würden gratis WLAN aussenden! Alle würden Sie pflanzen! Ein Jammer, dass sie nur Luft produzieren, die wir unbedingt zum Atmen benötigen.“

 

Reiht euch ein in das Baumkollektiv und spendet JETZT für unsere Baumpflanzaktion! Bis bald im Wald

Bäume pflanzen  - CR

 

Vielen Dank an Matthias Schellenberg & Klaus Eisenhuth für das Gespräch!

 

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