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Heute hat das Thüringer Landesamt für Statistik mitgeteilt, dass im Jahr 2020 von den Thüringer Jugendämtern 4.482 Verfahren zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung durchgeführt wurden. Dies sei ein Anstieg zum Vorjahr um 499 Gefährdungseinschätzungen. Die Anzahl der festgestellten akuten (+1,8%) und latenten Kindeswohlgefährdungen (+19,9%) erhöhte sich zum Vorjahr ebenfalls. Dazu erklärt Astrid Rothe-Beinlich, Fraktionsvorsitzende und kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Die stetig steigende Anzahl der Kindeswohlgefährdungen in Thüringen geben uns großen Anlass zur Sorge. Es bestätigt sich einmal mehr der Trend der vergangenen Jahre. Es zeigt sich auch, dass die Pandemie -  wie befürchtet - mit ihren Kontaktbeschränkungen Kinder in schwierigen Lebenslagen besonders hart getroffen hat. Für uns als Landespolitik bedeutet das, dass wir noch mehr für den Schutz vor psychischer, körperlicher, sexualisierter Gewalt und vor Vernachlässigung von Kindern tun müssen.“

Die grüne Kinder- und Jugendpolitikerin ergänzt: „Die Schwächsten brauchen unseren stärksten Schutz. Deshalb geht es um die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Kinder- und Jugendschutz, bspw. durch flächendeckende Präventionsangebote und Beratung für alle Kinder und deren Familien von Anfang an. Frühförderung und frühe Hilfen müssen besser aufeinander abgestimmt werden. Die Schlüsselrollen von Schulen und Kindergärten beim Kinderschutz müssen stärker in den Fokus rücken. Besonders wichtig ist es, die örtlichen Jugendämter personell aufzustocken, da aufgrund der Aufgabenfülle sicher nur ein Bruchteil der Fälle tatsächlich ans Tageslicht kommt.“

„Unser oberstes Ziel muss sein, Kindeswohlgefährdungen wirksam zu verhindern. Diese haben immer eine Vorgeschichte, seien es besonderer Druck, psychische Erkrankungen, Suchtprobleme oder krankheitsbedingte Störungen der Eltern. Auch die soziale und finanzielle Situation der Familien sind hier nicht zu vernachlässigende Einflussfaktoren. Daher gibt es auch keine einfachen politischen Antworten oder Lösungen. Wir müssen die Probleme multiprofessionell angehen“, so Rothe-Beinlich abschließend.