Radschnellverbindungen

Viele Menschen in Thüringen haben in der Corona-Pandemie das Fahrrad für sich entdeckt, aber nur wenige haben auch eine gute Radverkehrsinfrastruktur vorgefunden. Um den von der Landesregierung angestrebten Radverkehrsanteil von 15 Prozent bis 2030 zu erreichen, muss der Radwegeausbau mit mehr Vehemenz vorangetrieben werden. Radschnellwege sind ein gutes Instrument, um attraktive Alltagsverbindungen für Pendler*innen zu schaffen. Thüringen ist bisher das einzige Bundesland, das keine Radschnellplanungen vonseiten des Landes aufweisen kann. Damit drohen auch bis zu 6,7 Millionen Euro an Fördermitteln des Bundes ungenutzt zu verfallen.

Aus diesem Grund hat die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Prof. Martin Weidauer von der Fachhochschule Erfurt und dem Planungsbüro VIA Köln die Studie „Radschnellverbindungen in Thüringen – Pilotstudie zu Potentialen und Rahmenbedingungen“ in Auftrag gegeben. Nachdem die Ergebnisse der Studie erstmalig in einer Pressekonferenz am 05.05. vorgestellt wurden, lud unserer Abgeordnete Laura Wahl am 18.05. zu einem weiteren Online-Gespräch mit Prof. Martin Weidauer ein. Der Fokus der Veranstaltung lag insbesondere auf dem Austausch mit den vielen interessierten Teilnehmenden aus unterschiedlichsten Bereichen.

Zum Einstieg in die Veranstaltung gab Prof. Martin Weidauer einen kurzen Input zur Pilotstudie. Dabei ging er neben der in Thüringen bestehenden Ausgangssituation und der Frage, was genau unter den Begriff der Radschnellverbindung fällt, auch auf die Methodik der Studie ein. Daran anschließend präsentierte Prof. Martin Weidauer die Ergebnisse der Studie sowie die sich draus ableitenden Handlungsempfehlungen: „Von den sechs Korridoren, die wir in Thüringen untersucht haben, konnten wir insgesamt fünf vielversprechende Korridore feststellen, die potenziell für den Ausbau von Radschnellverbindungen geeignet sein könnten (Jena – Stadtroda, Saalfeld – Rudolstadt, Erfurt – Weimar, Erfurt – Arnstadt, Suhl – Zella-Mehlis). Auf Basis der Kriterien des Nationalen Radverkehrsplans empfehlen wir in einem nächsten Schritt vertiefende Machbarkeitsstudien für diese Korridore durchzuführen. Dabei bleibt jedoch zunächst die Frage offen, von wem diese weiterführenden Studien in Auftrag gegeben werden sollten.

Laura Wahl erklärte bezüglich der gegebenen Handlungsempfehlungen: „Die Pilotstudie ist ein wichtiger erster Schritt, um die Radverkehrsinfrastruktur in Thüringen langfristig zu verbessern. Natürlich wird ein Land wie Thüringen, das von Klein- und Mittelstädten geprägt ist, nicht riesige Nutzer*Innenzahlen vorweisen – trotzdem bestehen hier große Potenziale. Daher wollen wir als bündnisgrüne Landtagsfraktion die Umsetzung der vertiefenden Machbarkeitsstudien für die fünf Pilotabschnitte voranbringen und im nächsten Haushalt mehr Gelder dafür einstellen. Dadurch könnten solche Machbarkeitsstudien in Zukunft vom Land bezahlt werden.“

In der sich daran anschließenden Debatte beteiligten sich insbesondere Vertreter*innen der kommunalen Ebene. Neben den Chancen und Möglichkeiten, welche die fünf Pilotabschnitte mit sich bringen, wurden dabei gleichermaßen Kritikpunkte und mögliche Probleme betrachtet, die mit dem Bau von Radschnellverbindungen einhergehen könnten.

„Natürlich ist uns bewusst, dass Radschnellverbindungen nicht das einzige wichtige Infrastrukturelement für einen guten Radverkehr in Thüringen sind. Ein dichtes Netz von Alltagsradverbindungen bleibt der wesentlichste Aspekt, da die allgemeine Abdeckung und Erschließung der Fläche zentral bleiben. Unser Ziel ist es, die Verzahnung von Alltagsradnetzen, touristischen Radwegen, Radschnellverbindungen und dem ÖVPN zu stärken. Nicht zuletzt hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vor zwei Wochen uns gezeigt, dass Deutschland in allen Bereichen in punkto Klimaschutz mehr tun muss, daher sollten wir den Ausbau des Radverkehrs in Thüringen mit voller Kraft vorantreiben“, schloss Laura die Diskussionsrunde.

Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Dr. Martin Weidauer für die interessante Vorstellung der Studie, bei Laura Wahl für die Moderation und natürlich bei allen Teilnehmer*innen für die anregende, konstruktive und spannende Debatte.

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